Warum hat der Hund Angst vor dem Tierarzt und was du tun kannst um zu helfen!

Als Tiermedizinische Fachangestellte, habe ich schon viele Hundebesitzer kennengelernt. Viele sind mit der Situation beim Tierarzt total überfordert. Vielen ist es auch peinlich, dass der Hund so agiert, wie er es gerade tut. Viele versuchen den Hund in die andere Richtung zu ziehen, obwohl er am liebsten durch die Tür gehen würde. Dass der Hund Angst beim Tierarzt hat ist was ganz normales! Ich möchte euch helfen und zeigen was du tun kannst, um deinem Hund zu helfen!

Angst beim Tierarzt

Warum hat der Hund Angst beim Tierarzt?

Stellen wir uns vor, wir steigen im Auto mit unserer Familie. Normalerweise passiert danach immer was ganz tolles! Wir gehen gemeinsam spazieren, haben Spaß, machen zusammen Blödsinn, essen vielleicht was leckeres…

Und plötzlich, stehen wir auf einem Parkplatz. Dieser riecht nach mehreren Hunden, Katzen, Meerschweinchen, Kaninchen… Es riecht nach Angst, Anspannung.

Wir merken, unsere Familie wirkt langsam auch nicht mehr so entspannt. Wir gehen rein. Links bellen zwei Hunde, recht faucht eine Katze, vor uns sind viele Menschen, die wir nicht kennen.

Wo sind wir bloß gelandet?

Auf dem Wartezimmer ist es nicht viel besser. Wie kann man denn in so einer Situation ruhig bleiben? Wir wissen nicht was als nächstes passiert, und zwei Türe weiter hat gerade ein Hund geheult…

Meine Familie steht plötzlich auf, als ein Mensch ankommt. Wir gehen weiter, vielleicht gehen wir hier endlich weg! Nein doch nicht… Wir gehen alle in einem kleinen Raum rein. Dieser Mensch guckt mich die ganze Zeit an… Warum guckt er mich an? Ich möchte bitte Abstand. Nein, nein, auf diesem Tisch möchte ich auch nicht…

Spaß bei Seite… Wenn wir uns ein wenig in der Situation von unseren Vierbeinern hineinversetzten, kann man schon ein wenig verstehen, warum die Angst so groß ist oder?

Viele fühlen sich extrem unwohl, wenn andere Hunde in der Nähe sind. Andere haben Angst vor fremden Menschen. Andere sind vielleicht noch ein bisschen wild und wollen einfach nicht stehen bleiben. Es gibt mehrere Gründe!

Da wir aber unseren Hunden nicht erklären können was gerade passiert, können wir nur helfen, es ein bisschen erträglicher zu machen!

Angst beim Tierarzt

Wie kann ich meinem Hund helfen, keine Angst mehr beim Tierarzt zu haben?

Bindung. Entspannung. Vertrauen. Eigentlich das, was wir in jeder Situation haben sollen.

Wenn du gerade frisch ein Welpe zu dir nach Hause geholt hast, kannst du schon direkt mit dem Medical Training (Angstbeseitigung beim Tierarzt) anfangen.

  • Gehe in der Nähe des Tierarztes spazieren
  • Nach ein Paar Tage gehe auf dem Parkplatz, lasse der Welpe in Ruhe alles beschnüffeln. Lobe ihn dabei. Habt Spaß. Hier passiert nichts schlimmes!
  • Nächster Schritt! Kurz rein gehen. Hallo sagen! Du kannst auch gerne die Rezeptionisten fragen, ob sie kurz dem Welpe ein Leckerli geben können.
  • Sich für einen Moment im Wartezimmer setzen. Nach einer Minute aufstehen und wieder gehen.

So kann man schon einiges erreichen! Das gilt natürlich auch schon für Erwachsene Hunde. Da wird es aber nicht so einfach sein, sie nur mit ein Paar Leckerlis zu begeistern. Da wirst du ein bisschen mehr Geduld haben und alle Schritte etwas langsamer machen.

  • Zuhause kannst du mit Ruheübungen weiter trainieren. Auch gerne mit einer Decke. Wenn der Hund es verstanden hat, dass die Decke Ruhe und Sicherheit bedeutet, kannst du später die Decke zu dem Tierarztbesuch mitnehmen!
Angst beim Tierarzt

Was du tun kannst während der Behandlung:

Ich finde es immer schlimm, wenn Besitzer bei der Untersuchung den Hund im Stich lassen. Und damit meine ich, sich hinsetzen oder einfach quatschen, während der Hund zitternd auf dem Behandlungstisch steht.

Da komme ich wieder auf die drei oben genannten Punkte. Bindung. Entspannung. Vertrauen.

Der Hund braucht dich in dem Moment. Er braucht, dass du ihn streichelst, mit deiner besten Babystimme sprichst und einfach für ihn mit Ruhig bist. Er wird sich vielleicht nicht sofort entspannen, aber er wird wissen, du bist für ihn da!

Viele denken, wenn der Hund Angst hat und sich bei dir verstecken möchte, dass man dieses Verhalten ignorieren und den Hund wegschicken soll. Bitte tut das nicht!

Der Hund wird nicht verstehen „Achso ok, ich soll keine Angst haben, alles klar!“, sondern „Warum wird Frauchen/Herrchen mich nicht beschützen, was habe ich getan?“ Das verursacht umso mehr Angst!

Natürlich solltest du dieses Verhalten nicht unterstützen, indem du dem Hund total mitleidest, und sagt, dass er ein ganz ganz ganz armer Hund ist. Aber, sei für ihn da, lass er sich bei dir einkuscheln, wenn er das braucht. Er wird dir schon zeigen wie du ihm in diesem Moment helfen kannst.

Zusammenfassend möchte ich euch nur sagen, dass ihr euch nicht schämen solltet für euren Hunde und wie sie sich beim Tierarzt verhalten. Das ist normal und wiederspiegelt nicht ihr Verhalten Zuhause. Bei dem Tierarzt zu sein bedeutet purer Stress! Und in dem Moment sollen wir uns nur Gedanken darüber machen, wie wir unserem Hund am besten helfen können, und nicht was die Menschen über uns denken werden.

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