Scheinträchtigkeit bei der Hündin

Scheinträchtigkeit

Was ist die Scheinträchtigkeit?

Eine Scheinträchtigkeit kommt durch den Einfluss bestimmter Hormone zustande: Gegen Ende der Läufigkeit produziert der Körper der Hündin weniger Progesteron. Dadurch steigt die Prolaktin-Konzentration im Blut. Dieses Hormon sorgt unter anderem dafür, dass das Drüsengewebe des Gesäuges wächst und regt die Milchbildung an.

Man kann nie genau wissen, ob eine Scheinträchtigkeit entsteht oder nicht. Das hängt unter anderem davon ab, wie steil der Progesteron-Spiegel der Hündin abfällt. Man könnte aber sagen, dass je steiler der Abfall des Progesteron-Spiegels ist, umso höher ist die Prolaktin-Konzentration und dann umso wahrscheinlicher ist es, dass die Hündin scheinträchtig wird.

Einige Hündinnen sind aber anfälliger für die Scheinträchtigkeit als andere: Manche Hündinnen reagieren bereits auf einen geringen Anstieg des Prolaktins mit den Symptomen einer Scheinträchtigkeit. Andere hingegen werden erst bei höheren Konzentrationen scheinträchtig.

Ursprung:

Unsere Hunde stammen von den Wölfen ab. Sie leben in Rudeln zusammen, in denen es eine strenge Rangordnung gibt. Nur die Leitwölfin, darf die Jungen bekommen. Dadurch, dass der Rudel der Wölfe sehr wie eine Familie ähneln, werden die Jungen von dem gesamten Rudel versorgt. Daher kümmern sich auch die anderen Wölfinnen um den Nachwuchs und säugen ihn sogar. Für Wölfe ist es extrem wichtig, dass die Wölfinnen Scheinträchtig werden.

Symptome:

Scheinträchtige Hündinnen leiden körperlich und seelisch. Die Hündin, denkt sie wäre trächtig. So tragen betroffene Hündinnen in der 8. – 9. Woche nach der Läufigkeit – also zu dem Zeitpunkt, zu dem eine gedeckte Hündin ihre Welpen werfen würde – alle möglichen Gegenstände (Spielsachen, Stofftiere, Schuhe usw.) als Ersatzwelpen zusammen, zeigen Nestbauverhalten, bemuttern, bewachen und beschützen besonderes Spielzeug als seien es Junge. Die Hündin ist unruhig, anhänglich oder aber auch aggressiv. Sie will sich nicht von „ihrem Nest“ wegbewegen und kann auch ihr Futter verweigern. Neben diesen psychischen Veränderungen stellen sich auch körperliche Veränderungen ein: die Milchdrüsen schwellen an und oft tropft auch Milch aus den Zitzen, die häufig geleckt werden. Bei starker Milchproduktion besteht die Gefahr eines Milchstaus mit daraus resultierender Gesäugeentzündung. Das Gesäuge ist dann stark geschwollen, warm und sehr schmerzhaft.

Eine Scheinträchtigkeit dauert in der Regel ungefähr 2 – 3 Wochen

Scheinträchtigkeit

Symptome der Scheinträchtigkeit beim Hund

  • Anhänglichkeit
  • Gereiztheit/Aggressivität
  • Trägheit, Antriebs- und Teilnahmslosigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • vergrößerter Bauchumfang
  • geschwollenes Gesäuge, das beleckt wird

Therapie:

Eine Scheinträchtigkeit ist an sich was ganz Normales. Aber nur bis zu einem gewissen Grad. Manche Hündinnen steigern sich derart in ihre „Mutterrolle“ hinein, dass daraus eine wirkliche Last für sie selbst und schließlich auch für Frauchen und Herrchen entsteht.

Hier ein paar Tipps, was du als Halter tun kannst:

1. Ablenkung

Das beste was man tun kann, ist die Hündin mit langen Spaziergängen und Spiele ablenken. Hauptsache man kriegt es irgendwie hin, die Hündin auf andere Gedanken zu bringen.

Aber Achtung: Je nachdem, wie die Hündin auf ihr Hormon-Durcheinander reagiert, wird sie es dir nicht gerade leicht machen. Durchhaltevermögen und Geduld sind gefragt!

2. Spielzeug und Kuscheltiere

Beim Thema Spielzeug und Kuscheltiere gehen die Meinungen auseinander. Während die einen dazu raten, den Welpenersatz so schnell wie möglich außer Reichweite der Hündin zu bringen, sind viele anderen strikt dagegen.

Viele sagen, dass die Hündin so noch viel stärker leidet, wenn ihr „Nachwuchs“ plötzlich entrissen wird.

Es ist also schwierig zu sagen, was man genau machen soll. Eine Empfehlung ist es, die Hündin gut zu beobachten und die Entscheidung danach abwägen.

Wenn du die Ersatzwelpen vorerst verbannen möchtest, würde ich empfehlen die Spielzeuge oder Plüschtiere niemals vor den Augen Ihrer Hündin wegzunehmen, sondern einfach alles heimlich verschwinden lassen, wenn sie es nicht mitbekommt.

Man könnte auch so machen, dass man vor der Läufigkeit die Spielzeuge unbemerkt verschwinden lässt und erst wieder holt, wenn die kritische Phase vorbei ist.

Übrigens: Gerade quietschende Spielzeuge stehen im Verdacht, den „Mutterinstinkt“ zu wecken und eine Scheinträchtigkeit auszulösen oder zu verstärken.

3. Gesäuge

Durch die ausgeschütteten Hormone werden die Zitzen einer scheinträchtigen Hündin in den Schwangerschaftsmodus versetzt. Sie wäre also in der Lage, Nachwuchs zu säugen. Die Hündin möchte also die Milch loswerden, da sonst ein unangenehmes Gefühl bis hin zu einem Druckschmerz entsteht.

Das Belecken des geschwollenen Gesäuges ist aber alles andere als hilfreich, da es den Milchfluss zusätzlich anregt.

Oberste Priorität hat also das Fernhalten vom Gesäuge!

Wenn die Zitzen schmerzen, wollen viele Besitzer was dagegen tun und bereiten kalte Umschläge vor. Die Kälte tut sicherlich gut, aber wenn wir bedenken, dass mit jeder Berührung, wir in Gefahr laufen die Milchproduktion anzuregen, müsste man überlegen ob das wirklich sinnvoll ist.

Tabu sind Wärme und das Melken des Gesäuges, denn sie verstärken das Problem, indem sie den Milchfluss besonders anregen.

Wenn die Scheinträchtigkeit jedoch mit ausgeprägter Aggressivität, Apathie oder übermäßiger Milchbildung einhergeht, ist eine medikamentöse Behandlung notwendig. Die Hündin bekommt dann einen Prolaktin-Hemmer verordnet, das die Ausschüttung des Hormons Prolaktin hemmt, welches ja für die beschriebenen Muttergefühle und die Milchproduktion verantwortlich ist.

Scheinträchtigkeit

Risiken der Scheinschwangerschaft beim Hund

Zeigt Ihre Hündin erstmals Symptome einer Scheinschwangerschaft, ist das noch kein Grund zur Panik. Häufen sich Scheinträchtigkeiten, können sie jedoch ernstzunehmende Erkrankungen begünstigen. Scheinschwangerschaften erhöhen das Risiko für

  • Entzündungen des Gesäuges durch Milchstau,
  • Eierstockzysten,
  • Gebärmuttervereiterungen und
  • Mammatumore (Wucherungen in der Milchdrüse, die gut- oder bösartig sein können, auch als Brustkrebs bezeichnet).

Bei Hündinnen, die bereits nach der 1. Läufigkeit mit den Problemen der Scheinträchtigkeit zu kämpfen haben, bzw. bei Tieren, die immer wieder scheinträchtig werden, ist die sinnvollste Abhilfe die Kastration.

Naturheilkunde als Therapie für die Scheinträchtigkeit

  • Häufig wird Pulsatilla als Globuli bei Problemen mit der Scheinträchtigkeit eingesetzt.
  • Falls die Gesäuge anschwellen sollen, und die Hündin produziert Milch, kann Petersilien gegeben werden.
  • Als Vorbeugung kann während der Läufigkeit Himbeerblättertee gegeben werden.

Tipp:

Zyklus festhalten!

Ich würde es immer empfehlen die Läufigkeitsdaten der Hündin zu notieren. Das hilft zum einen dabei, frühzeitig auf die kritische Phase vorbereitet zu sein. Zum anderen bist du sensibler für Unregelmäßigkeiten im Zyklus, die möglicherweise gefährlich sein könnten (z. B. eine Gebärmutterentzündung).

Add Your Comment